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Unsere Leseproben sind von freien Reiseautoren verfasste Beiträge – Textauszüge, die Lust auf mehr machen. Redakteure, die Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Autoren haben, können die Verfasser direkt kontaktieren. Viel Spaß beim Lesen!

 

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20 Jahre Handover: Hongkong – very British?!

Text: Mona Contzen

 

"Little Dragon" rennt, als wüsste er, worum es geht. Auf der Hongkonger Pferderennbahn Sha Tin steht er für ein Versprechen, das 50 Jahre Gültigkeit haben soll. "Die Pferde werden weiterrennen", hatte Chinas ehemaliger Staats- und Parteichef Deng Xiaoping schließlich einst prophezeit, um für die Rückgabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik zu werben. In der Nacht dann, in der die Briten die Millionenmetropole nach rund 150-jähriger Herrschaft endgültig verlassen, stehen die Pferderennen stellvertretend für das demokratisch-marktwirtschaftliche System, das das sozialistische China der neuen Sonderverwaltungszone weiterhin gewähren will. Der kleine Drache ist ein Symbol für eine ganze Gesellschaftsordnung.

So ist auch 20 Jahre nach der Übergabe längst nicht alles, was britisch ist, aus Hongkong verschwunden. Die roten Briefkästen mit der Krone wurden natürlich abgeschraubt, die Porträts von Elizabeth II. abgehängt. Zusammen mit dem Union Jack sank 1997 auch der Stern des britischen Empire auf den Boden der Hongkonger Tatsachen – die Pacht der "New Territories" im Norden war nach 99 Jahren abgelaufen, der Vertrag über die Rückgabe der Stadt schon 1984 unterschrieben. Das Einholen der Flagge, Dudelsack-Klänge, ein paar mahnende Worte, dann winkte Prinz Charles noch einmal Goodbye – und ließ Menschen zurück, die sich noch heute in erster Linie als "Hongkonger" fühlen, mit internationaler Identität, stolz auf ihr westliches Wertesystem und ihre chinesische Kultur.

Auf Hongkong Island, dem asiatischen Gegenstück zu New Yorks Manhattan, läuft der britische Einfluss wie der Untertitel in einem chinesischen Film bei jedem Schritt mit. Zwischen den Wolkenkratzern herrscht Linksverkehr. Es gibt die Queen’s Road und den Victoria Harbour, die Tram zuckelt schon seit 1904 über die Insel. Und vor den Schaufenstern von Gucci, Armani und Co. warten die Leute auf den Bus – in feiner englischer Art brav aufgereiht in Schlangen, die einen ganzen Häuserblock lang sein können. [...]

 

Kontakt:  ; www.mona-contzen.de

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