Melbourne und Victoria

Leseproben

Unsere Leseproben sind von freien Reiseautoren verfasste Beiträge – Textauszüge, die Lust auf mehr machen. Redakteure, die Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Autoren haben, können die Verfasser direkt kontaktieren. Viel Spaß beim Lesen!



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“Wir sind Buschreiter, kein Pony Club” – zu Pferd in Victorias High Country

Text: Axel Pinck

 

Mister T. setzt vorsichtig ein Bein vor das andere und sucht seinen Weg zwischen Felsenbrocken und Bäumen hügelabwärts. Das aufmerksame Pferd reagiert auf die kleinste Bewegung von Michael Watson, dem Trail Guide der kleinen Reitergruppe. „Ja, der alte Knabe hat schon an der Parade zum Australia Day in Melbourne teilgenommen, mit mir als Fahnenträger vorweg“ erzählt Michael stolz, der zusammen mit seiner Frau Sally regelmäßig Gäste zu Reitausflügen ins High Country der australischen Provinz Victoria begleitet.

Start der Touren ist Mansfield in den Ausläufern der „Australischen Alpen“ rund 180 km nordöstlich von Melbourne. Das 4000 Seelen Örtchen erschien erst vor 150 Jahren nach Goldfunden in der Gegend auf der Landkarte. Die Pferde stehen schon gesattelt bereit und schauen wie sich die kleine Gruppe von Outback-Abenteurern interessiert an: Ellen, die als Joga-Lehrerin arbeitet, hat den Trip von ihrem Mann Bob, Projekt-Manager bei einer Baumaschinenfirma in Melbourne, zum Geburtstag geschenkt bekommen. Karen ist Büroangestellte aus Adelaide mit Sehnsucht nach Natur und weitem Himmel, ihr Freund Terence betreibt einen Surfbrett-Verleih an der Küste und wagt sich für zwei Tage vom Wasser aufs Land.

Buddy heißt der stämmige Braune, der argwöhnisch herüber zu schauen scheint. Nur nichts anmerken lassen, Zaumzeug, Decke, Sattel, Riemen, alles ok. Nur erscheint das Pferd nicht allein kräftig, sondern auch recht hoch, eine Leiter wäre nicht schlecht. Doch schließlich klappt es auch ohne und alle traben los. (…)

 

Der neue Goldrausch – Victoria aktiviert alte Goldminen

Text: Axel Pinck

 

Die Börsen sind in Aufruhr, die Finanz- und Schuldenkrise schlägt immer größere Wellen. Gut, dass es noch das solide Gold als sichere Geldanlage gibt. Bewährt über Jahrhunderte. Die Nachfrage treibt den Goldpreis drastisch nach oben. Da lohnen sich auf einmal Investitionen in längst stillgelegte Minen. Wie im australischen Bundesstaat Victoria, wo neben nostalgischen Besuchertouren in alte Flöze mit modernster Technik nach dem glänzenden Edelmetall gesucht wird.

 

Die nostalgische Diesellok stampft gemütlich durch die Schlucht des Stringers Creek in den südlichen Ausläufern der Great Dividing Range im Osten des australischen Bundesstaates Victoria. Es geht leicht bergauf, im Talgrund neben dem Bett des munteren Flüsschens und auf Stelzen hoch über schäumenden Stromschnellen. Gut gelaunte Ausflügler aus Melbourne und Sydney in den Waggons lassen die bewaldeten Berghänge zwischen Moe und Walhalla an sich vorbeiziehen. Bill hat schon ein ganzes Eisenbahnerleben hinter sich. Jetzt jobbt der Pensionär in seiner Freizeit als Schaffner auf der Walhalla Goldfields Railway. „Früher“ so erzählt der Oldtimer „ da waren keine Passagiere an Bord, sondern Tonnen von goldhaltigem Gestein.“  Die wurden in Walhalla aus dem Fels gebrochen, in einer der reichsten Goldminen ganz Australiens, und mit der Eisenbahn zur Verarbeitung weggeschafft. Das Goldgräberstädtchen Walhalla schmiegt sich an die steilen Talwände. Gerade einmal 20 Bewohner sind noch hier gemeldet, einige Dutzend weitere kommen täglich zur Arbeit in den beliebten Touristenort. Um 1880 war das anders. Da lebten 3000 Bergarbeiter rund um die Goldminen, es gab zehn Hotels, sieben Kirchen, Tanzpaläste und Pubs sowie eine Schule mit 500 Kindern. Das Bergwerk der Long Tunnel Extended Gold Mine existiert noch heute, zumindest als Besucherattraktion. Angeführt von Michael, einem ehemaligen Bergmann, und beschützt mit einem festen Helm sowie einer Grubenlampe geht es in den Berg. Alte Gerätschaften, Bohrhämmer und Meißel, Sprenglöcher im Fels, niedrige Gänge, winzige Aufenthaltsräume für die Bergleute, schnell erfahren die Besucher, dass Arbeiten unter Tage kein Zuckerschlecken war. An einem Kreuzungspunkt verschiedener Stollen überraschen frische Bohrungen. Michael klärt die kleine Besuchergruppe auf. „Hier werden tatsächlich neue Probebohrungen unternommen. Natürlich mit neuester Technik und Diamantbohrern.“ Die Minengesellschaft Goldstar hat sich die Explorationsrechte auf einem Terrain von 730 km² gesichert, in dem früher reiche Goldvorkommen ausgebeutet wurden.

(…)

 

Melbourne zu Fuß - bei Mode und Shopping ist Australiens zweitgrößte Stadt die # 1

Text: Axel Pinck

 

Klarer Himmel und fantastische Fernsicht bis zum Pazifik und der Tasman See im Süden, die Besucherplattform Level 88  des neuen Eureka Tower in Melbourne ist ein perfekter Startpunkt, um die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria zu erkunden.  In weniger als 40 Sekunden schießt der Aufzug zum 88. Stockwerk des Wolkenkratzers empor. Knapp 300 m tiefer breitet sich die 3,7 Millionenmetropole aus. Die anderen Büro- und Wohntürme auf der Southbank des Yarra River grüßen herüber. In den großen Parkanlagen von Kings Domain und Botanischem Garten rechts das Government House. Dahinter, schon am anderen Ufer des Flusses, erstrecken sich  der Flinders und der Olympia Park mit großen Sportstadien, wie der Rod Laver Arena für das Australian Open Tennis-Turnier. Mit dem anschließenden Cricket Ground und den Fitzroy Gardens eine wahrhaft grüne Lunge. Die City Circle Tram, eine kostenlose Straßenbahn, umkreist von morgens bis abends das rechteckige Straßenmuster des City Center gleich nördlich vom Yarra River -  ideal für Stadtbesucher.

Wir treffen Fiona Sweetman, die uns abseits der breiten Boulevards in die Geheimnisse der kleinen Gassen und Arkaden Melbournes entführen will. Die Stadtführerin der „Hidden Secret Tours“ zeigt die reizvollen, weniger bekannten Ansichten der Stadt.  Zunächst geht es über die elegant geschwungene Yarra Footbridge von der Southbank an das Nordufer des Flusses. Vis-á-vis der über 100 Jahre alten zentralen Flinders Street Station, jeden Tag Ziel von rund 1500 Nah- und Fernverkehrszügen, hat Melbourne mit dem Federation Square vor wenigen Jahren ein neues modernes Zentrum erhalten. In dem aus Sandstein, Glas, Stahl und Zink konstruierten Komplex von Gebäuden um ein terrassenförmig ansteigendes Areal ist immer etwas los, mit munterem Treiben in den Museen, Theater, Bars, Restaurants und einem riesigen  Atrium. Bis zu 10 000 Menschen schauen sich Übertragungen von Konzerten, Fußballländerspielen oder anderen Sportereignissen auf der Großleinwand am zentralen Platz an.

Im regelmäßigen Schachbrettmuster der Innenstadt Melbournes mit seinen breiten Einkaufs- und Geschäftsstraßen tut sich hier und da ein schmaler Durchlass zwischen zwei Häusern auf. Wer hindurch tritt, taucht plötzlich ein in eine Welt von Nebengassen und überdachten Einkaufspassagen, die viele Passanten und Stadtbesucher gar nicht wahrnehmen.

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